11. September 2010. Oberösterreichische FreiheitskämpferInnen-Jahreshauptversammlung. „Hotel Schiff”, Koref-Saal. Vierundachtzig Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde kamen. Viele weit angereist: Sigrid Exenberger, Inge und Rudi Gelbard (ehemaliger KZ-Häftling), Friedl Krenn und Albert Dlabaja vom KZ-Verband, Magistra Evelyn Steinthaler (alle aus Wien), Manuela und Alfred Zach aus Schwechat, Dr. Andreas Maislinger aus Innsbruck; Jörg Reitmaier aus Rottenmann; Regine und Ludwig Einicke aus Ballenstedt, Doktorin Cornelia Domaschke aus Berlin, Fritz Klicka (ehemaliger KZ-Häftling) aus Bad Aussee, Käthe Sasso aus Winzendorf bei Wiener Neustadt und unser Bundesvorsitzender Genosse Ernst Nedwed aus Wien.
Von unserer Landespartei konnten Genossin Dagmar Andree, die unsere Jahreshauptversammlung grandios moderierte, und Peter Weidner Landesparteivorsitzenden Landeshauptmann-Stv. Josef Ackerl, Nationalratsabgeordneten Franz Kirchgatterer und Landesparteigeschäftsführer Roland Schwandner herzlich begrüßen. Und uns vor allem bei den Genossen Ackerl und Schwandner für die große Unterstützung bedanken.
Wir gedachten unserer Genossinnen und Genossen, die in den letzten drei Jahren gestorben sind und von uns als KZ-Opfer bzw. deren Hinterbliebenen betreut wurden: Franz Altenberger, Theresia Breinesberger, Maria Doringer, Rosa Helm, Georg Jungwirth, Aloisia Lackinger, Franziska Seibert, Roman Straßmair und Liselotte Zeller sowie Fritz Inkret (dessen Buch von Walter Kohl „Nacht, die enden will” die oberösterreichischen gemeinsam mit den steirischen FreiheitskämpferInnen initiierten).
Weiters gedachten wir unseren langjährigen Mitgliedern Alfred Aichinger, Hermann Leithenmayr, Max Lotteraner und unserer Freiheitskämpfer-Funktionärin Gerlinde Gierlinger.
Nach den Brecht-Worten „Die Schwachen kämpfen nicht / Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang / Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre / Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang / Diese sind unentbehrlich” spielte und sang Genosse Christian Buchinger das Lied „Die Moorsoldaten”.
In seiner Begrüßungsrede ging Ackerl auf die Wirtschaftskrise, die den Austro- und Nazifaschismus erst auf die Sprünge half, ein: „Österreich und Europa befinden sich in der größten Krise seit den Dreißigerjahren. Massenarbeitslosigkeit, Verarmung und politische Radikalisierung wurden heute bislang nur durch den Einsatz von enormen Summen an Steuergeldern verhindert. Diese Krise haben Banken und Spekulaten verursacht. Ungeregelte Finanzmärkte haben eine Casino-Mentalität zugelassen. Die Wirtschaft wurde wie vor mehr als achtzig Jahren von wenigen für ihre egoistischen Interessen missbraucht, statt den Bedürfnissen der Menschen zu dienen.”
Nedwed und Weidner ehrten Joschi Ackerl mit unserer höchsten Auszeichnung, der Otto-Bauer-Plakette, und die Genossinnen und Genossen Anna Maria Praschl, Irmgard Schmidleithner, Christian Buchinger, Helmut Edelmayr und Christian Schörkhuber mit dem Goldenen FreiheitskämpferInnen-Abzeichen.
Ackerl, Nedwed und Weidner gratulierten Poldi Feichtinger und Anna Maria Praschl zum bevorstehenden 90. Geburtstag und bedankten sich bei beiden Genossinnen sehr für ihr Engagement für unseren Bund. Dann wurden in einer geheimen Wahl folgende Genossinnen und Genossen ohne Streichungen einstimmig gewählt: Peter Weidner (Vorsitzender);
StellvertreterInnen:
Benedics Margarete, Mag.a Beate Gotthartsleitner, Helmut Gotthartsleitner, Mag. Thomas Höpfl, Dieter Strobel und Elysa Waltner;
BeisitzerInnen:
Christian Buchinger, Helga Buchinger, Günter Decker, Dr. Herbert Edlinger, Helmut Edelmayr, Dr. Robert Eiter, Martina Jungert, Helene Kaltenböck, Florian Koppler, Albert Langanke, Michael Lindner, Mag.a Verena Mayrhofer, Margit Obermayr, Samuel Puttinger, Dr. Wolfgang Quatember, Dominik Samassa, Sabine Schatz, Ernst Schönberger, Christian Schörkhuber, Karl Sturm;
Kontrolle:
Gusti Affenzeller, Fritz Danko und Dr. Siegmar Lengauer;
Ehrenvorsitzende auf Lebzeiten:
Leopoldine Feichtinger, Ulrike Pühringer und Walter Prieschl;
Ehrenamtliche MitarbeiterInnen:
Hilde Faber, Prof. Dr. Helmut Fiereder, Hannes Mittermair und Mag.a Sabine Strobel.
Nach der Wahl kam der Höhepunkt unserer vier Stunden, der Vortrag von Käthe Sasso. „… Mit sechzehneinhalb Jahren kam ich ins Landesgericht I. … 90 Prozent meiner Mitangeklagten wurden hingerichtet. … Nie hat man jemanden schreien gehört, alle sind ruhig gegangen. … Die Fenster der Todeszellen gingen in den Galgenhof, wo unsere Leute 1934 hingerichtet wurden. … Manche mussten eine Hinrichtungsgebühr bezahlen. …”
Käthe erzählte uns auch von ihren ersten Begegnungen mit unseren unvergesslichen Genossinnen „Rosl” Rosa Jochmann und Erna Musik im Konzentrationslager Ravensbrück zwei berührende und noch nie vorgetragene Geschichten. „Das Wort Solidarität ist heute von Ackerl schon einmal gesagt worden. Ohne Solidarität hätte es in Ravensbrück kein Überleben gegeben.”
Ein sehr berührender Vortrag, über den dank Hilfe unserer Genossen Ackerl und Schwandner ein Film gedreht wurde. Dieser Film kann bei den oberösterreichischen FreiheitskämpferInnen für eine Spende zur Erhaltung der Ehrenhaine der Gruppe 40 bestellt werden.
Etwa siebzig Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde feierten anschließend im „Orpheus” im Stadtmuseum Nordico Poldi Feichtingers Neunziger.