Ich geb Dir einen Mantel, dass Du ihn noch in Freiheit tragen kannst.
Widerstehen im KZ. Österreichische Frauen erzählen.
Lesung mit Käthe Sasso – Überlebende des KZ Ravensbrück
Wann: Montag, 4. April 2011 – Beginn: 18:30 Uhr
Ort: Bibliothek des Volkshauses Keferfeld-Oed (4020 Linz, Landwiedstraße 65, 1. Stock)
Eintritt: Freier Eintritt!
Am Montag, dem 4. April, Beginn 18.30 Uhr, kommt eine der letzten Zeitzeuginnen, die als junge Frau das Justiz- und KZ-System des Nationalsozialismus überleben konnte, zu uns nach Linz. Sie wurde zu einer gemeinsamen Veranstaltung der SPÖ Keferfeld-Oed-Bergern und der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer/innen, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschist/inn/en eingeladen.
Bei diesem zwanglosen Zusammentreffen liest Genossin Margarete Benedics aus dem Buch “Ich geb Dir einen Mantel, dass Du ihn noch in Freiheit tragen kannst. Widerstehen im KZ. Österreichische Frauen erzählen. Das Buch befasst sich unter anderem auch mit der Lebensgeschichte von Käthe Sasso.
Die Lesung findet in der Bibliothek des Volkshauses Keferfeld-Oed (4020 Linz, Landwiedstraße 65, 1. Stock) bei freiem Eintritt statt. Nach dieser Lesung erzählt uns die heute 85-jährige Käthe Sasso aus ihrem Leben. Sie freut sich sicher, wenn wir ihr viele Fragen stellen, die sie gerne beantworten wird.
Biografie von Käthe Sasso:
Sie wurde am 18. März 1926 in Wien geboren. Als Kleinkind wächst sie bei ihrer Großmutter Majka in Nebersdorf im Burgenland auf. Diese enge Bindung an die Großmutter ist auch der Grund für ihre Zweisprachigkeit Kroatisch-Deutsch. In Wien geht Käthe in der Herzgasse zur Schule und wohnt bei den Eltern in die Eckertgasse 5/18 im 10. Bezirk.
Ihr Vater war Schutzbündler, wurde eingekerkert und engagierte sich mit ihrer Mutter nach dem 12. Februar 1934 im kommunistischen Widerstand gegen die Nazis. Nachdem ihr Vater Johann Smudits zur Wehrmacht eingezogen wird und ihre Mutter Agnes am 8. Juli 1941 stirbt, bleibt Käthe Sasso als 15-Jährige in der Widerstandsgruppe “Gustav Adolf Neustadl” aktiv. Die Ziele der Gruppe sind vor allem die Unterstützung von Witwen hingerichteter Widerstandskämpfer mit Lebensmitteln, das Hören ausländischer Radiosender und das Verteilen von Flugblättern gegen den Faschismus. Einige Mitglieder der Gruppe waren Emi Tolnay, Teresia Dworschak, Maria Sip, Rosalia Graf und Gatte sowie das Ehepaar Gaida. Sie alle wurden im Laufe der Zeit wegen Hochverrats hingerichtet.
Nachdem Käthe von einem Spitzel, der von der Gestapo in die Gruppe eingeschleust worden war, denunziert wurde, wird sie am 21. August 1942 inhaftiert und bis Oktober auf der “Liesl” eingesperrt. Von dort wird sie in die Schiffamtsgasse überführt, wo sie bis 1943 bleibt. Im Jänner 1943 kommt es zur Verlegung auf das Landesgericht I, wo sie bis zu ihrer Verhandlung am 26. April 1944, wenige Wochen nach ihrem 18. Geburtstag, über ein Jahr inhaftiert ist und auf ihre Verhandlung warten muss. Auf Grund von Käthe Sassos Minderjährigkeit zum Zeitpunkt der Verhaftung wird bei ihr eine Ausnahme gemacht, und die Verhandlung vor dem 6. Senat abgehalten, wodurch Käthe Sasso dem Todesurteil entkommt – im Gegensatz zu siebzig Prozent ihrer Gruppenmitglieder.
Nach dem Schuldspruch wird Käthe Sasso in das Arbeitserziehungslager Oberlanzendorf gebracht. Dann wird sie auf die “Liesl” verlegt. Von dort wird Käthe im September 1944 nach Berlin gebracht, wo sie zwei Wochen lang (gemeinsam mit im Zuge des Hitler-Attentats eingesperrten Reichstagsabgeordneten aller Parteien) inhaftiert wird. Die Gespräche mit diesen Mithäftlingen geben ihr neue Kraft. Danach wird Käthe Sasso in das KZ Ravensbrück deportiert, wo sie bis zum Todesmarsch in Richtung Bergen-Belsen am 28. April 1945 bleibt. In der ersten Nacht des Todesmarsches, nahe Wustrow, gelingt Käthe gemeinsam mit ihrer Freundin Mizzi Bosch die Flucht aus der Gruppe und anschließend die Rückkehr nach Wien.
Käthe heiratet im Jahr 1946 ihren Mann Josef Sasso, ebenfalls ein österreichischer Widerstandskämpfer, der sechs Jahre eingekerkert war. Gemeinsam ziehen sie nach Winzendorf bei Wiener Neustadt.
Sie bringt drei Kinder zur Welt und lebt bis heute in ihrem Haus in Niederösterreich. Ein Sohn lebt noch. Sie hat vier Enkelkinder und zehn Urenkelkinder. Mit einer Urenkelin, die in Wien studiert, war sie vor einem Dreivierteljahr eine Woche in London und mit ihr jeden Tag gute zehn Stunden unterwegs.
Ihr ganz großes Anliegen ist der Ehrenhain (der Gruppe 40) der hingerichteten Widerstandskämpfer/innen auf dem Wiener Zentralfriedhof.