Nachlese
Hermann – Langbein – Symposium
Ideologie und Wirklichkeit des Nationalsozialismus
Zu Hermann Langbein: Der Widerstandskämpfer und Spanienkämpfer Hermann Langbein (1912-1995) war vom Mai 1941 bis August 1942 im KZ Dachau, anschließend bis August 1944 in Auschwitz und danach in Neuengamme in Haft. Er war Mitglied der Widerstandsbewegungen dieser NS-Konzentrationslager und Leitungsmitglied der Kampfgruppe Auschwitz. Im Zuge eines Evakuierungsmarsches flüchtete er am 11. April 1945. Hermann Langbein wurde vom Staat Israel als Gerechter der Völker ausgezeichnet, weil er unter Einsatz seines Lebens Juden geholfen hat. Er verfasste zahlreiche Publikationen über Auschwitz, war Vorsitzender des Internationalen Auschwitz-Komitees und initiierte die Aktion Zeitzeugen an österreichischen Schulen. Sowohl beim ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (Dezember 1963 bis August 1965) als auch bei den Ermittlungen in Österreich gegen über 55 Verdächtige wegen Verbrechen im KZ Auschwitz spielte Hermann Langbein eine wesentliche Rolle.
Wann: 20.04.2009 – 24.04.2009
Ort: Pädagogische Hochschule Linz,
Kaplanhofstr. 40, 4020 Linz
Veranstalter: Pädagogische Hochschule des Bundes in Wien, Pädagogische Hochschule Bundes in Linz und österreichisches Mauthausen Komitee
Anmeldung:
Pädagogische Hochschule des Bundes in Wien
1100 Wien Grenzackerstraße 18
T ++ 43 1 60118 – 4211 F ++43 1 60118 – 4500
Das Programm gibt es hier als Download!
1934 lehrt: Arbeitslosigkeit verhindern!
Etwa 1.700 bis 1.800 Menschen besuchten im Februar 2009 in Oberösterreich die Gedenkveranstaltungen rund um den 12. Februar 1934. Das Archiv der Stadt Linz zeigte im Linzer Wissensturm eine sehenswerte Ausstellung über das 1934erJahr und die Vorgeschichte in Linz. Am 11. Februar referierten die Universitätsprofessoren Rudolf Ardelt und Peter Becker vor mehr als zweihundert Interessierten über die Vorgeschichte des 12. Februar. Am 12. Februar legten die Freiheitskämpfer gemeinsam mit den Genossinnen und Genossen der Landes und Linzer Partei sowie der Sozialistischen Jugend im Hof des Parteihauses (vormals „Hotel Schiff“), auf dem Bulgari-Platz, beim Bulgari-Grab, in Steyr beim Mahnmal Ennsleite und auf dem Friedhof in Eberschwang Kränze und Buketts nieder. Beim Bulgari-Mahnmal las Genosse Weidner das Verhandlungsprotokoll vor. Der Prozess unter dem vorsitzenden Richter Adolf Bayer (Das sind ja Märchen. Sie sind ein verstockter Sünder) ließ an den Blutrichter Roland Freisler erinnern. Unser Freiheitskämpfer Genosse Prof. Dr. Helmut Fiereder, der wohl beste Kenner des Aufstands der oberösterreichischen Arbeiter, erzählte auf einer historischen Stadtrundfahrt von den Februarkämpfen. In einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung im Alten Rathaus sprach nach Bürgermeister Franz Dobusch Stadtrat Klaus Luger für die SPÖ. Eine äußerst engagierte Rede für die Schutzbündler hielt Gemeinderätin Gerda Lenger für Die Grünen. Dem FPÖ Nationalratsabgeordneten Neubauer, der sogar Manfred Ackermann lobte, dürfte das Manuskript vertauscht worden sein, meinte die 89jährige Genossin Poldi Feichtinger. Für den so genannten Fachvortrag wurde der Salzburger Universitätsprofessor Ernst Hanisch eingeladen.
Prammer: Lehren aus 1934
Die darauf folgende Gedenkveranstaltung mit Barbara Prammer und Erich Haider war sehr beeindruckend. Haider sagte unter anderem: „Gerade in kritischen Zeiten der Wirtschaftskrise ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie zerbrechlich demokratische Institutionen sein können. Deshalb sollten wir den 75. Gedenktag des 12. Februar 1934 gemeinsam nützen, unser Bekenntnis zur Demokratie und unsere Entschlossenheit im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu bekräftigen.“ Eine wesentliche Lehre aus den Februartagen 1934 sei, dass Arbeitslosigkeit unbedingt verhindert werden müsse. Dazu brauche es neue Formen des solidarischen Wirtschaftens. „Arbeit bedeutet Menschenwürde! Hier in diesem Haus begann vor 75 Jahren der einzige bewaffnete Widerstand der Arbeiterschaft gegen den Faschismus in ganz Europa. Dieser Widerstand war mit entscheidend dafür, dass es diese demokratische Republik Österreich heute gibt.“ Die These der geteilten Schuld sei nicht haltbar. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer erinnerte in ihren Grußworten daran, dass Verfassung und Demokratie nicht vom Himmel gefallen sind, sondern täglich neu und mit Zivilcourage verteidigt werden müssten. Bachmann-Preisträger Franzobel beeindruckte mit einer Lesung aus seinem Theaterstück „hunt“, einer gelungenen künstlerischen Annäherung an die Thematik, die Geschichte greifbar gemacht hat. Im Hof des Parteihauses in der Landstraße war neben einer Darstellung der Februarkämpfe auf Schautafeln auch die Videoinstallation „Hotel Historia“ von Chris Müller (Theater Hausruck) zu sehen. Mit der Podiumsdiskussion „Am 75. Jahrestag: Was blieb vom Februar 1934“ (im Kepler-Salon) der Veranstaltungsreihe „Civil Wars“, moderiert von Florian Wenninger und brillant argumentiert von Joe Weidenholzer und Doron Rabinovici, endete dieser gedenkwürdige 12. Februar 2009.
Gedenken in Vöcklabruck und Steyr
Die SPÖ Vöcklabruck gedachte vor dem Arbeiterheim in Holzleithen am 13. Februar mit etwa 250 bis 300 Genossinnen und Genossen der vier erschossenen und zwei schwer verletzten Schutzbund-Sanitäter und der erschossenen Schutzbündler, darunter Josef Skrabal. Die Gedenkrede hielt Genosse Erich Haider. Darauf wurde im Arbeiterheim nach einer filmischen Dokumentation von „hunt oder Der totale Februar“ vom Autor Franzobel aus seinem „hunt“ Manuskript vorgelesen und das Buch „Februar 1934 in Oberösterreich. “Es wird nicht mehr verhandelt …‘“ von Brigitte Kepplinger, Hubert Hummer und Chris Müller vorgestellt. Am 14. Februar fuhren 50 Genossinnen und Genossen der Sozialistischen Jugend und der Freiheitskämpfer durchs historische Linz und nach Steyr.
Am Nachmittag fuhren wir mit den Genossen Wolfgang Huber und Josef Stockinger nach Steyr zu den Gräbern von Josef Ahrer, der aufgrund einer falschen Zeugenaussage gehenkt wurde, und den erschossenen Schutzbündlern. Wir legten an Josef Ahrers Grab ein Bukett nieder. Genosse Stockinger wird uns sein Buch über die Steyrer Arbeiter(innen)Bewegung und einen Film zur Verfügung stellen. Nach unserer Rückkehr am Abend des 14. Februar sahen wir uns noch die Ausstellung im Hof des „Hotels Schiff“, also des Parteihauses, an. Die KAPU zeigte die Comic-Ausstellung „Als die Nacht begann“, in der, der Wiener Künstler Thomas Fatzinek die Ereignisse rund um den Februar 1934 in Linolschnitten, gedruckt auf Büttenblättern, eindrucksvoll nachzeichnet. Hier als Download: Unser Artikel im “Sozialdemokratischen Kämpfer”
Lichter gegen Rechts!
Die rechtsextreme Szene versucht immer mehr öffentlichen Raum einzunehmen. Kürzlich wurde das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen von Rechtsextremen mit Parolen beschmiert, die Nationale Volkspartei (NVP) hat für den 1. Mai 2009 einen Aufmarsch in Linz angekündigt. So offen tritt die rechtsextreme Szene seit Jahrzehnten nicht mehr auf. Daher ruft ein breites Bündnis von politischen Organisationen auf, ein starkes Zeichen gegen die vermehrten Aufmärsche der Rechtsextremen zu setzen. Wir unterstützen dieses Bündnis und rufen deshalb gemeinsam mit “Lichter gegen Rechts” zum “Lichterzug gegen Rechts” am 30. April 2009 in Linz auf. Setzen wir am Vorabend zum geplanten Aufmarsch in Linz gemeinsam ein starkes, friedliches Zeichen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Hier der Aufruf:
Lichter gegen Rechts!
Keine rechtsextreme Menschenhetze!
Für ein menschliches, demokratisches und friedliches Miteinander!
Lichterzug gegen Rechtsextremismus!
30. April 2009, 19 Uhr
Linz: Schillerpark – Hauptplatz
Rechtsextreme haben für 1. Mai einen „Marsch durch Linz“ angekündigt.
Wir lassen nicht zu, dass die Kulturhauptstadt zur „Führerhauptstadt“ wird!
Die Schändung des KZ Mauthausen, Neonazi-Konzerte, rechtsextreme Aufmärsche,
und deutschnationale Burschenschafter-Treffen zeigen, dass die rechtsextreme Szene
immer mehr öffentlichen Raum einnehmen will.
Wir sagen deshalb:
- Nein zu diesen menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Ansichten
- Nein zu Fremdenfeindlichkeit und AusländerInnenhetze
- Nein zu rechtsextremen Aufmärschen in Linz, Österreich und anderswo
Wir sagen „JA“
- zu Menschenwürde und Respekt
- zu Toleranz und Solidarität
- zu einer Kulturhauptstadt der Vielfalt
Setzen wir deshalb gemeinsam mit tausenden Lichtern ein starkes Zeichen gegen Rechts! Für ein menschliches, demokratisches und friedliches Miteinander!
Gedenken in Mauthausen und am Bernaschek-Platz
71 Jahre nach der Okkupation Österreichs durch die Hitler-Faschisten legen die Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus gemeinsam mit den Kameradinnen und Kameraden der beiden oberösterreichischen Opferverbände (KZ-Verband und ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich) am Freitag, dem 13. März 2009 um 14.30 Uhr in Mauthausen einen Kranz nieder. Anschließend fahren wir zum Mahnmal auf dem Bernaschek-Platz (hinter dem Linzer Neuen Rathaus) und legen dort um 16 Uhr einen Kranz nieder. Worte des Gedenkens spricht beim Mahnmal auf dem Bernaschek-Platz – wie immer – Landesrat Josef Ackerl.Wer teilnehmen kann, soll das bitte tun! Ladet auch bitte Eure antifaschistischen Genossinnen und Genossen ein.
Landeskonferenz der Freiheitskämpfer Oberösterreich!
Im Bernaschek-Saal des Linzer Landesparteihauses, dem ehemaligen “Hotel Schiff”, blieben am 28. April 2007 nur wenige Plätze frei. Zur Jahreshauptversammlung der OÖ Freiheitskämpfer reisten aus Wien und Leoben etliche Gäste an, unter ihnen der bald 92-jährige steirische Widerstandskämpfer Fritz Inkret und der stellvertretende Bundesvorsitzende, Ernst Nedwed. Bei den Begrüßungsworten unserer Abgeordneten zum Nationalrat Bettina Stadlbauer, die auf die besonders gute Zusammenarbeit von SP-Frauen und Freiheitskämpfern hinwies, spürte man noch den solidarischen Geist der guten alten, traditionsreichen Arbeiterbewegung. Für alle Anwesenden war es ein großer Augenblick, als Ernst Nedwed in seiner Rede unser Buch “Die Poldi. Das Leben einer Linzer Arbeiterin” hervorhob und die anwesende bald 87-jährige Poldi Feichtinger gemeinsam mit Günter Decker, Albert Langanke und Walter Prieschl durch die Verleihung des Goldenen Freiheitskämpfer-Abzeichens ehrte. Nach Bertolt Brechts Gedicht “An die Nachgeborenen” gedachten wir in einer Schweigeminute unserer Genossinnen und Genossen, die uns in den vergangenen zwei Jahren verlassen hatten. Peter Weidner ging dann in seinem Bericht vor allem auf die Opferbetreuung ein. Wir besuchen alle unsere 21 Opfer bzw. deren Witwen zweimal im Jahr und helfen ihnen, wo wir können. In unserer letzten Funktionsperiode, so Weidner, konnten wir den Mitgliederstand von 282 auf 340 Genossinnen und Genossen erhöhen. Der neue Vorstand wurde ohne Streichung wiedergewählt. Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit ist Walter Prieschl; Vorsitzender: Peter Weidner; Stellvertreter: Ingrid Maiburger, Prof. Dr. Helmut Fiereder, Thomas Hausleitner, Mag. Thomas Höpfl. Als Gastreferent war Genosse Heimo Gruber eingeladen, der in der Obersteiermark aufgewachsen ist. Er betonte gleich eingangs, dass er “besonders stolz ist, im ehemaligen Hotel Schiff und in Anwesenheit des ehemaligen Februarkämpfers aus Leoben – unseres Genossen Fritz Inkret – einen Vortrag zu halten”. Über dessen Leben wird demnächst ein Buch aus der Feder des Schriftstellers Walter Kohl erscheinen. Heimo Gruber stellte dann in seinem Beitrag die aktuelle Streitschrift des deutschen Publizisten Henryk M. Broder “Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken” (Berlin 2006) vor, in der dieser mit der Frage “Erleben wir eine neue Appeasement-Politik?” die europäische Reaktion auf den Islamismus kritisch beleuchtet. Nach mehr als drei Stunden und einer sehr engagierten Diskussion folgte ein herzliches Zusammensein in einem Gastgarten.
cc
Ein Kämpfer für das “Niemals wieder”
In der Ausgabe vom Freitag, 2. Jänner 2009 schreibt der Kurier: “Nur noch wenige KZ Überlebende können vom Grauen erzählen. Rudolf Gelbards Lebensweg erschien nun in Buchform. Am Silvestertag 2008 wäre Simon Wiesenthal 100 Jahre alt geworden (er starb 2005). Er, der sein Leben nach 1945 dem Enttarnen von Nazi-Verbrechern widmete, betonte: „Es gibt keine größere Sünde, als zu vergessen. “Einer, für den dieses Lebensmotto genauso gilt, ist Rudolf Gelbard. Als Achtjähriger erlebte er den Einmarsch der Hitler-Truppen und im November 1938 das Wüten der Nazi-Horden in der Reichspogromnacht in Wien. Er sah den Großen Tempel in der Tempelgasse brennen und musste erleben, wie menschenverachtend der österreichische Antisemitismus wurde.” Hier gehts zum Artikel im Kurier!
cc
Gedenken an: 75 Jahre 12. Februar 1934
Im März 1933, einer Zeit geprägt durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 und einer damit verbundenen hohen Arbeitslosigkeit, nutzte der christlichsoziale Bundeskanzler Dollfuß einen Abstimmungsfehler im Parlament – als alle drei Nationalratspräsidenten zurücktraten, schaltete Dollfuß das Parlament aus und erklärte ein neues Zusammentreten des Nationalrates für illegal. Dollfuß verbot alle Parteien bis auf die Vaterländische Front und ließ politische Gegner verhaften und ermorden. Des Weiteren wurde auch der Republikanische Schutzbund verboten. Von nun an regierte Dollfuß unter Berufung auf das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz aus dem Jahre 1917 autoritär und wandelte die Republik in einen “autoritären Ständestaat” um. Nach dem Verbot der sozialdemokratischen und der kommunistischen Partei und deren Vorfeldorganisationen machten sich Dollfuß, seine Vaterländische Front und die Heimwehren daran, die letzten Strukturen der Arbeiterbewegung zu zerstören. Als am 12. Februar 1934 die Heimwehr eine Waffensuchaktion im “Hotel Schiff” (Parteiheim der Sozialdemokraten) starten wollte, widersetzten sich die Schutzbündler unter dem lokalen Schutzbundkommandanten Richard Bernaschek. Vor dem Parteiheim eröffneten Schutzbündler das Feuer. Damit war die österreichische Arbeiterbewegung die erste, die sich gegen den drohenden Vormarsch des Faschismus zu wehren versuchte. 75 Jahre nach den Februarereignissen 1934 wollen wir gemeinsam an jene Genossinnen und Genossen denken, die im Kampf für die Demokratie ihr Leben ließen.

